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Peter Grant 8 - Ein Weisser Schwan In Tabernacle Street - Ben Aaronovitch

Peter Grant, unser Lieblings-Bobby und Zauberlehrling, ist suspendiert und zumindest für eine Weile kein Bobby mehr. Dafür wird er in Zukunft im Privatleben umso mehr gefordert sein, was ihn zu gleichen Teilen mit Panik und Begeisterung erfüllt. Um nicht untätig herumzusitzen und Nägel zu kaufen, heuert er bei der Serious Cybernetics Company an, dem neuesten Projekt des Internet-Genies Terrence Skinner. Und prompt holt die Magie ihn wieder ein. Denn in den Tiefen der SCC ist ein Geheimnis verborgen, eine geheime magische Technologie, die zurückreicht bis weit ins 19. Jahrhundert, das Zeitalter von Ada Lovelace und Charles Babbage. Und die brandgefährlich ist für die Welt.


Audiobook

Peter Grant 8
Ein Weisser Schwan In Tabernacle Street
Autor: Ben Aaronovitch
Sprecher: Dietmar Wunder

2020.11
Verlag: Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH
Spielzeit: 11:13 Stunden


Januar: Manche Schwäne sind weiss

Mein letztes und entscheidendes Vorstellungsgespräch bei der Serious Cybernetics Corporation führte der Sicherheitschef des Unternehmens, Tyrel Johnson, persönlich mit mir. Er war Mitte fünfzig und so ein Schrank von Mann, der dank gesunder Lebensweise und viel Sport nicht fett geworden war, sondern eine kompakte Spannkraft wie Teakholz hatte. Ziemlich hellhäutig, kurzes graues Haar, massgeschneiderter marineblauer Nadelstreifenanzug mit zitronengelbem Baumwollhemd, keine Krawatte.
Da die Kleidung der restlichen Belegschaft eher in Richtung Gammellook ging, war ein Anzug ein ziemliches Statement. Ich war froh, dass auch ich meinen angezogen hatte.
In Anbetracht der pastellfarbenen Wände, des staksigen Edelstahlmobiliars und des Deko-Schriftzugs in MS Comic Sans Ask me about my poetry quer über eine Wand tippte ich darauf, dass Mr. Johnson sein Büro nicht selbst eingerichtet hatte. Ich sass auf dem niedrigen bananengelben Sofa, er lehnte mit verschränkten Armen an seinem Schreibtisch. Ohne irgendwelche Unterlagen in der Hand, fiel mir auf.
"Peter Grant." Seine Aussprache war westindisch, vermutlich Trinidad, wobei ich das nie so genau identifizieren kann. "Achtundzwanzig Jahre alt, geboren in London, Schulabschluss nicht schlecht, trotzdem kein Studium. Danach Jobs bei Tesco und kleineren Einzelhändlern sowie bei Spinnaker Office Services - was war das?"
"Eine Büro-Reinigungsfirma."
"Ah, dann können Sie also mit einem Schrubber umgehen?" Er grinste.
"Leider nur zu gut." Mannhaft widerstand ich dem Drang, jeden Satz mit einem "Sir2 zu beenden. Tyrel Johnson war in dem Jahr aus der Polizei ausgetreten, in dem ich geboren wurde, aber manche Dinge wird man sein Leben lang nicht los.
Irgendwann würde ich mich auch selbst damit auseinandersetzen müssen, dachte ich plötzlich.
"Dann zwei Jahre Polizeiausbildung und Eintritt in die Metropolitan Police. Wo Sie es ganze sechs Jahre ausgehalten haben." Er nickte, als leuchtete ihm das voll und ganz ein - ich wünschte, mir auch.
"Nach der Probezeit kamen Sie in die Abteilung Spezielle, Organisierte und Wirtschaftskriminalität. Was genau haben Sie dort gemacht?"
Alle waren sich einig gewesen, dass es absolut kontraproduktiv wäre, wenn ich die Einheit Spezielle Analysen alias Folly alias "Oh Gott, bitte nicht die" erwähnen würde. Dass es in der Met eine Spezialeinheit gab, die sich mit abstrusem Scheiss befasste, war in der Polizei vielen bekannt; dass es darin Beamte mit Magieausbildung gab, war nicht unbedingt ein Geheimnis, aber definitiv nichts, worüber man gern sprach. Insbesondere nicht bei einem Bewerbungsgespräch.
"Operation Rummelplatz", sagte ich.
"Nie gehört."
"Es ging um nigerianische Fälscherbanden."
"Haben Sie verdeckt ermittelt?"
"Nein. Zeugenbefragungen, Vernehmungen, Spurenverfolgung. Der Kleinkram, Sie wissen schon."
"Kommen wir doch mal zur Kernfrage", sagte Johnson. "Warum sind Sie gegangen?"
Als Expolizist hatte Johnson natürlich noch Kontakte in der Met - garantiert hatte er sich nach mir erkundigt, sobald meine Bewerbung in die engere Auswahl genommen wurde. Andererseits, die Tatsache, dass wir dieses Gespräch überhaupt führten, wies darauf hin, dass er nicht alles wusste.
"Jemand, den ich verhaftet hatte, starb in meinem Gewahrsam", sagte ich. "Ich wurde suspendiert."
Er beugte sich ein wenig vor. "Hand aufs Herz, Junge. Waren Sie dafür verantwortlich?"
Ich sah ihm in die Augen. "Ich hätte es kommen sehen müssen. Ich habe nicht schnell genug reagiert, um es zu verhindern." Es ist so viel leichter zu lügen, wenn man die Wahrheit sagt.
Er nickte. "Einen Sündenbock braucht's immer. Und Sie wollten nicht einfach die Zähne zusammenbeissen und es durchstehen?"
"Man legte mir nahe zu gehen. Es war klar, dass es einen treffen musste, und die wollten so wenig Aufsehen wie möglich." Wer -die- waren, sagte ich nicht, aber das schien Johnson nicht zu stören. Er nickte verständnisvoll.
»Wie stehen Sie zu Computern?«, fragte er – was bewies, dass auch der Verhörtrick des plötzlichen Themenwechsels etwas war, was einem nach dem Austritt aus unserer Truppe erhalten blieb.
Unsere Truppe. Als könnte man sich, sobald man erst mal dabei ist, nicht vorstellen, je wieder etwas anderes zu machen.
Sei einfach du selbst, hatte Beverley gesagt, als ich mich heute Morgen fertig gemacht hatte.
"Ich hab mal vierundzwanzig Stunden lang nonstop Red Death Redemption durchgespielt", sagte ich.
Johnson kniff die Augen zusammen, aber in seinen Mundwinkeln stand ein Hauch Belustigung. Dann schwand sie. "Ich will ganz ehrlich mit Ihnen sein, Junge. Alles in allem wären Sie eigentlich ein bisschen überqualifiziert für diesen Job. Aber ich habe ein Problem."
"Sir?" Ich versuchte den Anschein milden Interesses zu wahren...


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