Die Drei ??? - Print 199 - Höhenangst

Spät abends erhält Bob den Anruf eines unbekannten Mannes. Angeblich ist der dritte Detektiv einziger Zeuge eines Mordes. Eines Mordes, der den Schriftsteller Ben Hustler zu seinem neuen Buch inspiriert hat. In "Höhenangst" beschreibt der Thrillerautor einen realen ungeklärten Fall. Bob glaubt an einen makabren Scherz. Doch als er beginnt, die ersten Kapitel von "Höhenangst" zu lesen, überkommt ihn eine Gänsehaut...


Die Drei Fragezeichen

Fall 199
Höhenangst

André Minninger

Hardcover - 2018.09
ISBN: 9783440148426

eBook - 2018.09
ISBN: 9783440149638

Verlag: Kosmos
Seiten: 144


Kapitel 
01. Lommy
02. Gänsehaut
03. Unliebsame Zeugen
04. Zitternde Hände
05. Innere Stimme
06. Unbehagen
07. Grossaufnahme
08. Klartext
09. Vollgas
10. Maskiert
11. Sprachlos
12. In Luft aufgelöst
13. Lesleys schwere Stunde
14. Unter Hochspannung
15. Schweigepflicht
16. Pling!
17. Enttarnt
18. Höhenangst
19. Die Stunde der Wahrheit
20. Ausgetrickst
21. Nachlese

Loomy

"Bob?"
Von aussen klopfte es zaghaft an die Zimmertür.
"Bist du noch wach?"
Bob Andrews hatte die kleine Stehlampe auf seinem Nachtschrank bereits vor zehn Minuten gelöscht, doch er war noch nicht eingeschlafen. Er lag auf seinem Bett und liess die Erlebnisse des Tages noch einmal vor seinem inneren Auge ablaufen, als die leise Stimme seiner Mutter ihn aus den Gedanken riss. Einem Reflex gehorchend schaltete er das Licht wieder an und warf einen kurzen Blick auf das Display seines Radioweckers. Es war bereits kurz vor Mitternacht.
"Du kannst reinkommen, Mum!"
Die Zimmertür wurde geöffnet und Mrs Andrews erschien im Türrahmen. In ihrer Hand hielt sie das Mobilteil des Telefons. Ihr Gesichtsausdruck wirkte nicht sonderlich erfreut.
"Da will dich jemand dringend sprechen", sagte sie leicht angesäuert und trat an Bobs Bett heran. "Ein gewisser Loomy. Komische Stimme hat der. Ich habe ihm bereits deutlich zu verstehen gegeben, dass ich Anrufe zu dieser Zeit alles andere als annehmbar finde, aber er liess sich nicht beirren und bestand sogar darauf, dass ich dich wecke, falls du schon schlafen solltest."
Missmutig reichte sie ihrem Sohn den Hörer. "Gib ihm deine Handynummer, falls er vorhat, diese nächtlichen Plaudereien zu wiederholen, damit zumindest dein Dad und ich davon nicht gestört werden!"
Ohne ein weiteres Wort verliess sie kopfschüttelnd das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
"Bob Andrews hier", sprach Bob in den Hörer. "Mit wem habe ich denn die Ehre?"
Aus dem kleinen Lautsprecher drang ein merkwürdiges Atmen, dann ertönte eine blecherne Stimme: "Du kannst mich Mortimer nennen, Terence oder auch Christopher. Aber wenn dir das nicht zusagt, wie wäre es dann einfach mit "Loomy"? Den Namen hat mir schliesslich dieser Schmierfink angedichtet!"
"Bitte?!" Bob überkam eine Gänsehaut. Die Stimme des Anrufers war elektronisch verfremdet und glich der eines Roboters. War das ein Telefonstreich? Bob verspürte wenig Lust, sich darauf einzulassen. "Hören Sie, ich habe einen anstrengenden Tag hinter mir und würde jetzt gerne -" aus dem Hörer. "Dies ist kein Spass. Du solltest dich besser nicht mit mir anlegen, wenn dir dein Leben lieb ist. Und wenn du nicht -"
"Und wenn ich nicht was?" Bob ertappte sich dabei, dass sein Ärger und sein Unbehagen einer immer stärker werdenden Neugier wichen.
"Wenn du nicht tust, was ich dir sage, kann ich für nichts garantieren", beendete die Person am anderen Ende der Leitung spürbar gereizt ihren Satz.
Bob nahm den Hörer vom Ohr und warf einen raschen Blick auf das Display: Unbekannter Anrufer. Hatte die Person ihre Telefonnummer bewusst unterdrückt?
"Du hast etwas gesehen, was du nicht hättest sehen dürfen", fuhr die Stimme fort. "Und du bist nicht nur Zeuge, sondern auch im Besitz von Beweisen."
"Zeuge? Beweise?" Bob verstand kein Wort. "Wovon, um alles in der Welt, sprechen Sie?"
Es ertönte ein rasselndes unruhiges Atmen.
"Zu deinem Pech wurde deine äussere Erscheinung unverkennbar schriftlich festgehalten und veröffentlicht", fuhr die Stimme dann fort. "Daher weiss ich, dass es sich um dich handelt, Bob Andrews. Das ist mir heute Nachmittag klargeworden. Kein Zweifel möglich. Meinst du etwa, mir wäre entgangen, wie stolz du diesem Schmierfinken gegenüber warst, ein Teil dieses Falles zu sein? Eure Blicke sprachen Bände! Aber diesen Triumph wirst du nicht mehr lange geniessen können, Bob! Nicht mehr lange!"
Ein Knacken machte unmissverständlich klar, dass der Anrufer aufgelegt hatte.
Irritiert liess Bob den Hörer auf die Bettdecke sinken. Was war das denn gewesen? Das hatte nicht nach einem harmlosen Telefonstreich geklungen. Ob es sich vielleicht um eine Verwechslung handelte? Aber woher wusste der Anrufer seinen Namen und die Nummer des Festnetzanschlusses? Und vor allem: Was sollte er, Bob, gesehen haben, was er nicht hätte sehen dürfen?
Nach einigen Minuten fieberhaften Grübelns hielt es Bob schliesslich für das Beste, sich erst am nächsten Tag mit diesen Fragen zu beschäftigen. Jetzt, mitten in der Nacht, und hier von seinem Bett aus würde er damit nicht weiterkommen.
Um sich abzulenken, steckte er seine Nase noch für ein paar Minuten in das neue Buch, das er am Nachmittag bei Krimi war jetzt genau das Richtige, zumal es sich dabei um den neuesten Roman seines Lieblingskrimiautors Ben Hustler handelte. Von ihm hatte er bisher jedes Buch mit grosser Begeisterung verschlungen. Höhenangst lautete der Titel, und nach allem, was er bisher darüber wusste, versprach das Buch mal wieder, ein packender Thriller zu sein. Bob griff nach dem dicken Schmöker, kuschelte sich gemütlich in seine Bettdecke und begann zu lesen...

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