Fall 187
Und Das Silberne Amulett

Die Drei Fragezeichen

Eine rätselhafte Botschaft fliegt über den Zaun des Schrottplatzes: eine Dose, darin ein Schlüssel, ein Parkschein und ein silbernes Amulett. Was hat es damit auf sich? Und vor allem: Wer hat den drei ??? die Dose zugespielt? Justus, Peter und Bob müssen Antworten auf viele Fragen finden - und das schnell...

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Fall 187
Und Das Silberne Amulett

Marco Sonnleitner

Hardcover: 2016.02
Pub: Kosmos
Seiten: 144
ISBN: 9783440146965

eBook: 2016.02
Pub: Kosmos
ISBN: 9783440148495
Kapitel
01. Sinflut im Hause Jonas
02. Alles ausser Bonbons
03. Schulterklopfen
04. Tante Mathilda tobt
05. Eine kalte Spur
06. Der Tote am Fenster
07. Traumhafte Rosen
08. Ein hoch entwickeltes Insekt
09. Einkaufsliste
10. Peter steckt fest
11. Fehl am Platz
12. Leichenstarre
13. Das Geheimnis der Santa Catalina
14. Star Wars
15. Katze Nummer drei
16. Dämonen der Nacht
17. Marsch durch die Finsternis
18. Justus schaft es nicht
19. Die Goldprobe
Auszug
"Wun-der-bar!" Tante Mathilda stemmte die Hände in die Hüften und sah sich glücklich um. "Einfach wun-der-bar! Genau so habe ich mir das vorgestellt."
Auch die drei Jungen begutachteten noch einmal ihr Werk. Den ganzen Tag hatten sie zusammen mit Onkel Titus die Küche im Hause Jonas neu gestrichen. In Grün. Mintgrün laut Farbeimer. Bob hätte eher Giftgrün dazu gesagt und Peter hatte beim ersten Pinselstrich unwillkürlich an das denken müssen, was er manchmal in seinem Taschentuch fand, wenn er Schnupfen hatte. Aber es musste ja Tante Mathilda gefallen, nicht ihm. "Ich geh duschen." Onkel Titus drehte sich zur Tür. "Jetzt gefällt es dir doch auch, Schatz, nicht wahr?" Tante Mathilda zeigte stolz zur Wand. "War doch eine gute Wahl. Wun-der-bar!"
"Hm." Onkel Titus machte ein Gesicht, als hätte er Bauchschmerzen. Justus wusste, dass er gerne weisse Wände gehabt hätte, einfach nur weiss. Nicht grün. Und schon gar nicht dieses Grün, das ihm im Augenblick sogar im Bart klebte. Und auf der Nase. An den Ohren. Am Hals. Einfach überall.
"Dann setzt euch mal an den Tisch! Diese Belohnung habt ihr euch redlich verdient. Ich habe ein neues Rezept für Walnusseis ausprobiert und es schmeckt einfach fa-bel-haft!" Tante Mathilda war wirklich in Hochstimmung. Ihre Augen funkelten förmlich vor guter Laune.

"Und du beeil dich, mein Guter, das willst du nicht verpassen!"
"Hm." Onkel Titus zog von dannen.
Das Eis war in der Tat fa-bel-haft. Tante Mathilda hatte nicht zu viel versprochen. Ein Traum aus Süsse, Nuss und sanftem Dahinschmelzen. Peter hätte am liebsten pausenlos gehmmt, Bob schloss geniesserisch die Augen und Justus fühlte sich, als würde er gleich abheben und losschweben.
"So wie Titus eben hat Justus auch mal ausgesehen." Tante Mathilda deutete lächelnd mit dem Löffel auf ihren Neffen. "Weisst du noch? Damals warst du drei oder vier. Nein, das weisst du nicht mehr, du warst noch zu klein."
Justus zog den Hals ein. Was kam denn jetzt?
"Du warst bei uns zu Besuch und hast im Bad meine grüne Moorpaste entdeckt." Sie strahlte Peter und Bob an. "Und als wir den kleinen Wonneproppen mal drei Minuten aus den Augen liessen, schwupps!, schnappte er sich die Tube und schmierte sich sein ganzes Gesichtchen mit meiner Peelingcreme ein."
Justus stöhnte leise. "Tante Mathilda, diese alten Geschichten will doch nun wirklich keiner hören."
"Ich schon." Peter grinste. "Und dann?"
"Dann kam er zu uns in die Küche, hierherein ist er gekommen, ich weiss es noch, als wäre es gestern gewesen, und meinte: - Hu, bin ein Geist, bin ein Geist! - Der kleine Lausejunge!" Tante Mathilda seufzte. "Du warst schon damals so... aufgeweckt."
Justus starrte auf die Tischdecke, Peter gluckste, Bob machte leise "Huhu!".
"Und ein anderes Mal -"
"Tante Mathilda! Bitte!"
"Nein, das war auch lustig! Ein anderes Mal hatte er sich -"
Tante Mathilda hielt inne. "Nanu?" Sie sah zur Decke.
Die drei Jungen hoben ebenfalls die Köpfe.
"Was ist?", fragte Peter.
"Ich habe einen Tropfen gespü... Da! Schon wieder einer!«" Tante Mathilda tippte sich auf den Scheitel.
"Einen Tropfen? Wasser?" Justus suchte die Decke ab.
Pling! Ein Tropfen, der auf Bobs Teller landete. Plong! Ein weiterer auf der Tischdecke.
"Es tropft tatsächlich von der Decke!", stellte Bob fest. "Das hatten wir zu Hause auch mal und es entpuppte sich..." Pling, plong, plung! Die Tropfen fielen immer schneller. "... als handfester..." Die Decke verfärbte sich. Eine feine, dunkle Linie war zu sehen, die schnell grösser wurde. "... Wasserrohrbruch."
"Wasserrohrbruch?" Tante Mathilda sprang auf. "Du glaubst, wir haben einen Wasserrohrbruch?"
"Donner und Doria!" Onkel Titus stolperte zur Tür herein. Tropfnass und nur mit einem Handtuch um die Hüften. "Wir haben einen Wasserrohrbruch! Oben sprudelt es förmlich aus der Wand! Justus! Renn in den Keller und dreh den Haupthahn zu und die Sicherungen raus! Die anderen bringen alles in Sicherheit, was nass werden könnte! Schnell!"
"Oh Gott! Meine schöne Küche!" Tante Mathilda schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
Hektik brach aus. Justus spurtete in den Keller, wo er aber nicht gleich an den Haupthahn für das Wasser kam. Weil ein Regal davorstand. Er rief nach Bob und in Windeseile räumten sie das Regal leer und zur Seite, während im Obergeschoss das Wasser aus dem Bad bereits in den Flur schwappte und im Erdgeschoss nun auch das Wohnzimmer von oben betropft wurde. Tante Mathilda jammerte, rannte und trug davon, was sie in die Finger bekam, Onkel Titus schleppte Möbel und kämpfte mit seinem Handtuch, und Peter stellte alles, was er an Eimern, Töpfen und Schüsseln finden konnte, unter die tropfenden Stellen.
Dann klemmte der Hahn. Seit Jahren war er nicht zugedreht worden, Jahre, in denen der Kalk ganze Arbeit geleistet hatte. Sosehr sich Justus und Bob auch anstrengten, der Hahn bewegte sich keinen Millimeter.
"Der Hahn! Da tut sich nichts!", schrie Justus nach oben.
"Das muss aber!", schrie Onkel Titus zurück.
"Oh Gott!", wehklagte Tante Mathilda.
"Ich brauche mehr Töpfe!", rief Peter.
Das Chaos nahm immer grössere Ausmasse an. Bis Onkel Titus den Hahn endlich mithilfe einer Rohrzange zugedreht hatte, plätscherte das Wasser bereits über die ersten Treppenstufen. Kleinere Möbel und Geräte hatten die Jungen und Tante Mathilda zwar in Sicherheit bringen können, aber die Teppiche im Obergeschoss und auch der im Wohnzimmer waren zum Teil klatschnass und an zwei Küchenwänden hatten sich zahlreiche Rinnsale gebildet.
"Meine schöne Küche!" Tante Mathilda war am Boden zerstört. Wie ein Häufchen Elend sass sie auf dem Stuhl und betrachtete die Bescherung.
"Halb so schlimm, Liebste, das wird schon wieder." Onkel Titus, mittlerweile im Bademantel, tätschelte die Hand seiner Frau. "Es gibt Schlimmeres."
"Die schönen Wände." Tante Mathilda schluchzte. Im Moment konnte sie gar nichts trösten.
Es dämmerte schon, als alles so weit versorgt war, dass das Haus wieder einigermassen bewohnbar war und das, was nass geworden war, trocknen konnte. Die drei Jungen nahmen sich das restliche Walnusseis aus dem Gefrierschrank und zogen sich damit in die überdachte Freiluftwerkstatt am Rande des Schrottplatzes zurück.
"Meine Güte, was für ein Nachmittag!" Peter schob sich einen besonders grossen Löffel Eis in den Mund. Jetzt war Stärkung angesagt.
"Kannst du laut sagen." Bob deutete zum Haus. "Aber ich glaube, dass sich der Schaden in Grenzen hält."
Justus machte eine zweifelnde Geste. "Warten wir’s ab. Wasser kann eine heimtückische Kraft sein. Was Wände und Decken abbekommen haben, muss sich erst zeigen."
"Du meinst, wir müssen nicht gleich morgen noch mal streichen?", fragte Peter.
"Ich würde erst einmal abwarten." Der Erste Detektiv grinste. "Und solange die Küche im Streifenlook belassen." Bob schmunzelte. "Hat auch was."
Wie an einem unsichtbaren Faden gezogen drehten die drei Jungen in diesem Moment ihre Köpfe. Auf der anderen Seite des Bretterzauns, der die Freiluftwerkstatt von der Strasse trennte, waren Schritte zu hören. Schnelle Schritte. Jemand rannte. Die Sohlen seiner Schuhe patschten auf den Bürgersteig und das Geräusch wurde immer lauter.
Doch urplötzlich hörte es auf. Die Person war stehen geblieben. Die drei Detektive hörten sie heftig atmen. Und noch etwas hörten sie. Rascheln. Leises Klappern. Papier, das zerrissen wurde. Dann landete auf einmal etwas mit lautem Scheppern auf dem Dach der Freiluftwerkstatt, rollte über das Wellblech und eine Sekunde später fiel den Jungen eine Dose genau vor die Füsse. Draußen rannte die Person weiter, entfernte sich schnell.
Die Verwunderung der Jungen dauerte nur kurz.
"Zweiter!", rief Justus. "Zum Roten Tor! Bob zum Grünen Tor, falls Peter ihn verpasst!"
Die beiden Detektive zögerten keinen Augenblick. Auch sie waren alarmiert. Hier hatte niemand seinen Müll über den Zaun geworfen.
Peter sprintete über den Schrottplatz. Aber bis er den geheimen Durchgang im Zaun erreichte, verging einige Zeit, weil der Weg dorthin im Augenblick mit feuchten Möbeln und dahinter mit einer Wagenladung alter Fahrräder vollgestellt war. Als er endlich die beiden Bretter zur Seite gedrückt hatte und durch die Lücke geschlüpft war, konnte er weit und breit niemanden sehen.
Als Bob zum Grünen Tor kam, hörte er dahinter wieder die Schritte. Die Person war bereits vorbeigerannt, aber vielleicht konnte er sie noch sehen und verfolgen. Der dritte Detektiv betätigte den Geheimmechanismus und zwängte sich durch den Zaun. Plötzlich vernahm er erneut Schritte. Andere Schritte. Härtere. Die sich näherten. Bob trat vollends auf den Gehweg und wollte sich eben aufrichten, als ihn jemand mit voller Wucht umrannte.

Audio Ausgabe

Fall 187
Und Das Silberne Amulett

Marco Sonnleitner

2017.05
Pub: Sony Music
Spiellänge: 68 Minuten
Cover
Tracks
01. Alles ausser Bonbons
02. Tante Mathilda tobt
03. Verschossen
04. Kein Passwort
05. Indianerschmuck
06. Das Geheimnis der Santa Catalina
07. Yoga
08. Dämonen in der Nacht
09. Pures Gold
Sprecher
Erzähler - Axel Milberg
Justus Jonas, Erster Detektiv - Oliver Rohrbeck
Peter Shaw, Zweiter Detektiv - Jens Wawrczeck
Bob Andrews, Recherchen und Archiv - Andreas Fröhlich
Tante Mathilda - Karin Lieneweg
Inspektor Cotta - Holger Mahlich
Kramer - Volker Bogdan
Emma Bailey - Hansi Jochmann
Hank - Ben Hecker
Lewis Geriwell - Frank Gustavus
Henry Appleton - Peter Heeckt
Amber - Sarah Madeleine
Tusk Laura - Maud Ackermann
Gerald - Michael von Rospatt
Nat - Tobias Schmidt
Collins - Gosta Liptow Nader
Rope - Michael Bideller
Details
Buch und Effekte: André Minninger
Redaktion und Geräusche: Wanda Osten
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Coverillustration: Silvia Christoph
Design: Atelier Schoedsack
Titelmusik: Simon Bertling & Christian Hagitte
Musik: Constantin Stahlberg, Betty George, Jan Friedrich Conrad

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